Auf der Zielgeraden: das Projekt „Bestandsprozesse der Lebens- und Privaten Krankenversicherung“

Mit dem Ziel der Entwicklung eines fachlichen und technischen Standards zur Optimierung der Bestandsprozesse zwischen Vermittlern und Versicherern ist das BiPRO-Projekt „Bestandsprozesse Lebensversicherung und Private Krankenversicherung“ im Oktober 2014 initiiert worden. Durch die Optimierung der Administration von Versicherungsverträgen in der Personenversicherung sollen die Verwaltungsprozesse in diesen beiden Sparten erheblich vereinfacht werden.

Beweggründe für optimierte Bestandsprozesse in der Personenversicherung

Die gegenwärtige Situation auf dem Versicherungsmarkt drängt die Lebensversicherer sowie die Privaten Krankenversicherer zum Handeln. Obwohl für die Mehrheit der Bürger die Altersvorsorge eine hohe Priorität genießt, unterschätzen die Meisten häufig ihre Lebenserwartung und den Bedarf, privat fürs Alter vorsorgen zu müssen. Das Problem dabei ist, dass die gesetzliche Rente dann bei vielen kaum für einen angemessenen Lebensstandard ausreichen wird, weil die Anzahl der Beitragszahler sinkt. Hinzu kommt der demografische Wandel. Dieser führt dazu, dass die Versicherer neben der steigenden Lebenserwartung auch mit einer höheren und langanhaltenden Pflegebedürftigkeit rechnen müssen.

Vor diesem Hintergrund wird die Erwirtschaftung von Renditen in der aktuellen Finanz- und Versicherungswelt immer schwieriger. Zusätzlich bringt das neue Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) zahlreiche Veränderungen und Herausforderungen mit sich, wie beispielsweise bei Vergütungsmodellen und Vertriebspartnerschaften.

Diese rechtlichen und ökonomischen Anforderungen in den beiden Sparten Lebens- und Private Krankenversicherung erfordern eine stärkere Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und vor allem eine höhere Geschwindigkeit bei der Abwicklung von internen sowie von unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen. Daraus ergibt sich die Herausforderung der Unternehmen, durch schlanke Prozesse zur Effizienzsteigerung beizutragen, um Wettbewerbsvorteile nachhaltig sichern zu können.

Das Projekt „Bestandsprozesse der Lebens- und Privaten Krankenversicherung“

Vor diesem Hintergrund haben 29 Mitgliedsunternehmen im Rahmen eines Workshops im Mai 2014 dem BiPRO e.V. den Auftrag erteilt, ein neues Projekt zum Thema „Bestandsprozesse der Lebens- und Privaten Krankenversicherung“ zu initiieren. Der Verein hat dies gern angenommen und das Projekt am 1. Oktober 2014 gestartet. 22 Mitgliedsunternehmen mit über 50 Projektteilnehmern engagieren sich derzeit im BiPRO-Projekt: 11 Versicherungen, 4 Vertriebe/Pools/Verbände/Makler-häuser sowie 7 Dienstleister bzw. Berater.

Das Projekt wurde von den Teilnehmern komplett oder in den Teilprojekten „Lebensversicherung“ (LV) bzw. „Private Krankenversicherung“ (PKV) gebucht. Oberstes Ziel ist es, Normen zu schaffen, die eine höhere Transparenz und Geschwindigkeit in den administrativen Bestandsprozessen zwischen Versicherungen und deren Prozesspartnern ermöglichen.

Geführt wird das Projekt durch ein Projektlenkungsteam mit der Fachlichen Projektleitung durch Herrn Dr. Jochen Schneider, Geschäftsführer e.stradis GmbH und Herrn Markus Ströbele, Consultant e.stradis GmbH sowie der Organisatorischen Projektleitung durch Frau Petra Rosebauer, Projektleiterin BiPRO e.V. Die fachlich-technische Normierungsberatung wird durch Frau Verena Namokel, Fachliche Koordinatorin BiPRO e.V. und Herrn Martin Bierlein, Fachlich-Technischer Koordinator BiPRO e.V., sichergestellt.

Inhalte und Organisation der Projektarbeit

Zum Inhalt der konkreten Projektarbeit gehören die Hauptthemen Vertragsauskunft, Änderung und Kapitalanlage. Der Bereich Änderung wurde unterteilt in nicht-versicherungstechnische Änderungen (z.B. Bezugsrecht) und versicherungstechnische Änderungen (z.B. Laufzeit).
Die bisherigen Projektmeetings mit unterschiedlichem fachlichem Schwerpunkt verliefen planmäßig: ausgehend von Begriffsklärungen (Szenario, Geschäftsvorgang, Teil-/Prozess, etc.), über die Abgrenzung zwischen Tarifierung-Angebot-Antrags- (TAA-) und Bestandsprozessen, die Besprechung der relevanten Geschäftsvorgänge (GeVos) und Teilprozesse bis hin zur Abstimmung des Datenmodells. Auf dieser Basis werden aktuell die Normdokumente sowie die Objektdiagramme erstellt und im Vorfeld des dreizehnten und letzten geplanten Präsenzmeetings (3. Juni 2015) an die Teilnehmer verteilt.

Wann ist mit implementierbaren Normen zu rechnen?

Die Projektergebnisse werden im September 2015 an den Fachlichen und Technischen Ausschuss des BiPRO e.V. eingereicht. Die Gremien geben am 3. und 4. November ihre Empfehlungen gegenüber dem Normungsausschuss ab. Dieser entscheidet am 5. November über die Erhebung der neuen und angepassten Normen in den Status „Potenzielle Norm“. Die Potenziellen Normen sind ab Anfang 2016 von allen Vereinsmitgliedern nutzbar.

Aussagen der Projektteilnehmer

Herr Sergy Alpin, Betriebsorganisation Fachbereich Lebensversicherung und Zahlungsprozesse, Digitalisierung, Allianz Deutschland

„Wir haben bereits bei dem Projekt „Tarifierung, Angebot, Antrag Leben 2“ sehr positive Erfahrungen gemacht. Insbesondere der Austausch mit den anderen Projektteilnehmern hat uns geholfen, die BiPRO-WebServices erfolgreich umzusetzen. Von der Normierung der Bestandsprozesse LV/PKV erwarten wir uns wichtige Impulse zur Prozessoptimierung in diesem Bereich.

Die gute Vorbereitung der Projektarbeit seitens des BiPRO e. V., das hohes Engagement und die gute Zusammenarbeit der Projekteilnehmer bestätigen unsere Erwartungen an ein gutes Projektergebnis als ein weiterer wichtiger Meilenstein zur Digitalisierung in der Versicherungsbranche.“

Herr Christian Hahn, Koordinator Vertriebs-IT, Barmenia Versicherungen

„Das beharrliche Niedrigzinsumfeld und der zunehmende Kostendruck, in dem sich unsere Branche bewegt, macht es unumgänglich, dass Geschäftsprozesse optimiert und effizient gestaltet werden. Für die Barmenia Versicherungsgruppe, mit Kranken- und Lebensversicherung, war es daher selbstverständlich, an diesem Projekt mitzuwirken und es voranzutreiben.

Die bisherigen Projektmeetings waren dabei geprägt von konstruktiver und zielorientierter Zusammenarbeit - meines Erachtens eine wirklich gute Basis für ein erfolgreiches praxistaugliches Ergebnis und ein wichtiger Bestandteil unserer Digitalisierungsstrategie, von dem alle Marktteilnehmer profitieren können.“

Frau Kirsten Duggen, Referentin Datenträgerkoordination, AVP – Bestandsmanagement, Swiss Life Deutschland Operations

„Ich wurde zu dem Projekt als Vertreterin von Swiss Life Deutschland Operations GmbH geschickt, weil wir uns der Wichtigkeit der Digitalisierung sehr bewusst sind. Da wir unseren zurzeit vier verschiedenen Vertrieben einen einheitlichen guten Service bieten wollen, können wir dieses nur über Geschwindigkeit und einheitliche Normen erreichen.

Zurzeit lässt der GDV-Datensatz viel Interpretationsspielraum bei den Versicherungen zu, was für uns als Konsument zu uneinheitlichen Datenlieferungen und sehr hohen Aufwänden führt. Zukünftig wird das bei vier Vertrieben mit hunderten Versicherungen nicht mehr möglich sein.

Aus diesem Grund nehmen wir als Konsument unsere Rolle in dem Projekt LV/PKV sehr ernst. Wir haben die Gelegenheit genutzt, von Anfang an mit den Versicherern zu debattieren und unsere Standpunkte aus Konsumentensicht zu erklären. Nur so können wir das gemeinsame Ziel erreichen, eine einheitliche Norm zu schaffen, die allen das (Arbeits-)Leben erleichtern wird. Wir erhoffen uns daher eine einfachere, schnellere Verarbeitung von einem Mehr an Daten. Mit diesem Projekt sind wir schon ein gutes Stück auf dem Weg dahin.“

Herr Sven Mahncke, Geschäftsbereich Versicherungen, FINCON Unternehmensberatung

„Das Projekt ist für die Anwender eine langfristige Investition, um die Prozesse zu beschleunigen. Beratungshäuser und Implementierungspartner bekommen hier schon ihre ersten Hausaufgaben: Anforderungen verstehen sowie variable und fixe Anteile für wiederverwendbare Lösungen identifizieren.

Wir legen damit die Grundlage, um die späteren Kunden mit mehr Branchenüberblick unterstützen zu können. Für alle Teilnehmer ist es die Gelegenheit, die Vorstellungen/Anforderungen mit ähnlichen Szenarien abzugleichen und so Erfahrungen mit der Anwendung zu sammeln, ohne in eine Implementierung zu investieren.“

Herr Klaus-Peter Knieß, Principal Consultant, msg life Deutschland

„Die Versicherungsunternehmen stehen heute unter einem zunehmenden Kosten- und Wettbewerbsdruck. Die Forderung nach hohem Kundenservice, niedrigen Kosten und attraktiven Preisen, die Bewältigung neuer regulatorischer Anforderungen sowie die Notwendigkeit, neue Produkte schnell und kostengünstig am Markt zu platzieren, stellen die Versicherer vor dauerhaft neue Herausforderungen.

Wir, msg life, als führender Anbieter von Software, Beratung und Cloud-Lösungen für die Versicherungsbranche, befürworten daher Standardisierungen in der Versicherungsbranche und begrüßen damit auch die Initiative von BiPRO. Die Lösungsplattform der msg life unterstützt die durchgängige End-to-End-Bearbeitung aller Kerngeschäftsprozesse eines Versicherungsunternehmens aus einer Hand.

Insbesondere bei der Kommunikation mit externen Maklern und Agenturen ermöglichen die Definition und Einführung von Kommunikationsstandards für das Neu- und Änderungsgeschäft die Digitalisierung der Geschäftsvorfälle und verhelfen dadurch zu einer kosteneffizienteren und schnelleren Bearbeitung der Kundenanfragen. Der Einsatz von BiPRO-Standardisierungen in der externen Kommunikation ergibt in der langfristigen Releasepflege deutliche Vorteile hinsichtlich Kosten und Aufwand gegenüber von nicht standardisierten Eigenentwicklungen.“

Für Fragen zum Projekt steht Ihnen Frau Petra Rosenbauer, Projektleiterin BiPRO e.V., Tel. +49 (0)211 690 750-12, E-Mail rosenbauer@bipro.net gerne zur Verfügung.