Sprachsteuerung ist keine „intelligente“ Lösung

andreas_boes_conrad_connect_preview.jpegDeutsche Versicherer suchen immer mehr nach neuen Themenfeldern, um im Zuge der Digitalisierungswelle neue Märkte zu erschließen. Als Teilbereich des Internet der Dinge gilt SmartHome als Zukunftsmarkt mit einer Vielzahl an Herstellern und Insellösungen. Tim Schmidt, BiPRO e.V., hat mit Andreas Bös, Senior Director der Conrad Connect GmbH, gesprochen, um den Auftakt der SmartHome Initiative des Brancheninstituts aus Sicht der Hersteller zu beleuchten.

BiPRO: Herr Bös, welcher Status Quo im SmartHome-Markt hat Sie dazu bewogen, am Genesis-Meeting der BiPRO teilzunehmen?

Andreas Bös: Der SmartHome-Markt ist aktuell sehr heterogen. Das bedeutet viele Systeme passen nicht zusammen. Die 1-zu-1-Verknüpfung von Geräten und Services (z.B. Versicherungen) ist aus unserer Sicht der falsche Ansatz. Um dem Kunden den Einstieg in die SmartHome-Welt zu erleichtern, haben wir eine Plattform geschaffen. Hier lassen sich einzelne Produkte über die Herstellergrenzen hinaus simpel per Drag & Drop miteinander verbinden und zukünftig auch mit digitalen Serviceangeboten/Dienstleistungen kombinieren. Diese Plattform werden wir weiter ausbauen.

BiPRO: SmartHome ist auch aus Sicht deutscher Versicherer ein Wachstumsmarkt. Beim Endkunden hat er sich aber noch nicht voll durchgesetzt. Wie beurteilen Sie die Situation?

Bös: Für uns ist es wichtig, vom Kunden aus zu denken. Konsumenten erhalten einen echten Mehrwert, wenn wir es schaffen, zukünftig nicht nur ein System anzubieten, wie beispielsweise eine Alarmanlage, sondern ein Komplettangebot „Sicherheit“. Dies kann dann aus einzelnen Teilen wie einem Rauchmelder, einer Alarmanlage in Kombination mit einer Versicherung bestehen.

Bis dato denken viele deutsche Unternehmen aber noch nicht so weit. Unsere Vorstellung ist es, mit Conrad Connect einen Marktplatz zu schaffen, der die Möglichkeit bietet, Geräte mit Serviceangeboten zu kombinieren, Hersteller agnostisch. Im Genesis Meeting wollen wir nun zusammen mit der BiPRO ausloten, welche Möglichkeiten wir finden können, um gemeinsame Reglements und technische Ansätze für Vermarktungsplattformen – das muss nicht unsere sein – zu finden.

BiPRO: Alexa und Co. werden immer mehr in deutschen Wohnzimmern verankert. Dabei sammeln die Unternehmen viele wichtige und auch für die Branche spannende Daten. Warum arbeiten Sie nicht mit den US-Techfirmen zusammen?

Bös: Amazon Alexa und Google Home sind natürlich auch Bestandteil des Conrad Connect Ökosystems, von daher arbeiten wir schon mit diesen Firmen zusammen. Aber Sie haben recht, wir partizipieren nur im Rahmen der angebotenen Geschäftsmodelle, indirekt, an den vorhandenen Daten, wie alle anderen Firmen auch. Dies ist ein klares Differenzierungsmerkmal zu Conrad Connect, da wir unseren Partnern die Möglichkeit bieten, digitale Geschäftsmodelle direkt auf Basis der IOT-Daten zu entwickeln. Darüber hinaus sehen wir Conrad Connect eher als Automatisierungs- und Lösungs-Plattform für das Internet der Dinge im Bereich SmartLiving. Wirklich intelligent ist eine Lösung erst dann, wenn der Kunde nicht mehr über Sprache oder Apps sein Haus steuert, sondern sich das Haus vielmehr selbst steuert. Dabei ist es wichtig, eine gemeinsame Ebene zu finden, auf der die einzelnen Lösungen und Systeme miteinander kommunizieren. Und hier könnte die BiPRO ein wichtiger Partner für uns sein. (tss)